Märchen

Nuschirwan erforscht den Zustand seines Landes

Man erzählt auch: Der gerechte König Nuschirwan stellte sich einst krank und sagte seinen Freunden und Vertrauten, die Ärzte hätten ihm zu einer Arznei alte Ziegelsteine aus einem verwüsteten Dorfe verordnet. Es wurden Boten nach allen Teilen des Königreichs geschickt, aber sie kamen zurück und sagten: “Wir haben nirgends ein verwüstetes Dorf gefunden.” Da freute sich Nuschirwan, dankte Gott und sagte: “Ich wollte nur sehen, ob es in meinen Ländern noch einen in Trümmern liegenden Ort gäbe, damit ich ihn aufbauen lasse; da ich nun höre, dass es keinen solchen gibt, so bin ich überzeugt, dass der Wohlstand und die Kultur in meinem Land den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht hat.” So, sagte Schehersad, waren die alten Könige stets bemüht um die Kultur ihres Landes, denn sie wussten, wie wahr die Weisen gesagt: Der Glaube muss von der Regierung unterstützt werden, die Regierung durch Truppen, die Truppen durch Geld und das Geld durch die Kultur des Landes, und diese wird durch die Gerechtigkeit gegen die Untertanen gefördert, denn durch Gewalttat und Tyrannei zwingt ein König seine Untertanen, auszuwandern; die Bevölkerung seines Landes nimmt ab, die Schatzkammern werden leer und die Zurückbleibenden verwünschen ihren Tyrannen so lange, bis sein Untergang sie befreit.

Bitte bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertung)
Loading...

Über den Autor

Tausendundeine Nacht

Tausendundeine Nacht ist eine Sammlung morgenländischer Märchen und zugleich ein bekannter Klassiker der Weltliteratur.
Gustav Weil (25.04.1808-29.08.1889) war ein deutscher Orientalist und übersetzte die Ausgabe von Tausendundeine Nacht.

Kommentar verfassen

Klicke hier um einen Kommentar zu schreiben ;-)