Hakem und der reiche Kaufmann

Ferner wird erzählt: Der Chalif Hakem Biamr Illah ritt einst mit großem Gefolge aus und bat einen Mann, der, von vielen Dienern und Sklaven umgeben, vor seinem Garten saß, er möchte ihm doch zu trinken geben. Der Mann reichte ihm zu trinken und sagte: „O Fürst der Gläubigen, wolltest du mir nicht die Ehre erweisen, ein wenig bei mir einzukehren?“ Hakem stieg ab und ging mit seinem Gefolge in den Garten. Da ließ der Mann hundert Matten, hundert Teppiche, hundert Kissen, hundert Schüsseln mit Früchten, süßen Speisen und Zuckerwerk herbeibringen. Als der Fürst der Gläubigen dies sah, sagte er: „Ich bin höchst erstaunt; wusstest du denn, dass ich kommen würde, dass du so viele Vorbereitungen veranstaltet?“ Er antwortete: „Nein, bei Gott, Fürst der Gläubigen, ich bin ein Kaufmann von deinen Untertanen und habe hundert Sklavinnen; sobald der Fürst der Gläubigen mir die Ehre erwies, bei mir abzusteigen, ließ ich von jeder Etwas von ihrem Diwan und von ihren Speisen und Getränken holen.“ Da verbeugte sich der Fürst der Gläubigen dankend vor ihm und sagte. „Gepriesen sei Gott, der meinen Untertanen einen solchen Wohlstand schenkt!“ Er schickte dann in seine Schatzkammer und ließ alle in diesem Jahr geschlagenen Münzen holen – 3,700,000 Drachmen – und schenkte sie diesem Manne, indem er ihm sagte: „Nimm dies Geld, damit deine Freigebigkeit nie beschränkt werde.“ Dann ritt er wieder weiter.


Tausendundeine Nacht ist eine Sammlung morgenländischer Märchen und zugleich ein bekannter Klassiker der Weltliteratur. Gustav Weil (25.04.1808-29.08.1889) war ein deutscher Orientalist und übersetzte die Ausgabe von Tausendundeine Nacht.

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